Wohnort bestimmt die Überlebenschance

Analyse zeigt deutliche Versorgungslücken

Wie gut sind Menschen in Deutschland im Notfall durch öffentlich zugängliche Defibrillatoren geschützt? Eine aktuelle Analyse auf Grundlage des Defikatasters von Definetz e.V. zeigt: Die Versorgung ist regional sehr unterschiedlich – und insbesondere in ländlichen Regionen bestehen teilweise erhebliche Lücken.

Für die Untersuchung wurden mehr als 48.000 im Defikataster erfasste Defibrillatoren ausgewertet und mit Bevölkerungsdaten sowie Informationen zur Erreichbarkeit des Rettungsdienstes verglichen. Ziel war es, Regionen zu identifizieren, in denen Bürgerinnen und Bürger im Falle eines plötzlichen Herzstillstands besonders gefährdet sein könnten.

Stadt und Land unterscheiden sich deutlich

Die Ergebnisse zeigen einen klaren Trend: Während in Ballungsräumen eine vergleichsweise hohe Dichte an Defibrillatoren vorhanden ist, müssen Menschen in vielen ländlichen Regionen deutlich längere Wege zurücklegen, um ein Gerät zu erreichen.

Die Auswertung ergab einen modellierten mittleren Abstand von rund 1,5 Kilometern zum nächsten Defibrillator. In besonders schlecht versorgten Regionen liegt dieser Wert sogar bei fast vier Kilometern.

Gerade bei einem plötzlichen Herzstillstand zählt jedoch jede Minute. Bereits wenige Minuten ohne Defibrillation können die Überlebenschancen drastisch reduzieren. Deshalb kommt der Verfügbarkeit von Defibrillatoren eine entscheidende Bedeutung zu.

Doppelte Benachteiligung in einigen Regionen

Besonders kritisch wird die Situation dort, wo eine geringe Defibrillator-Dichte mit langen Anfahrtszeiten des Rettungsdienstes zusammentrifft. Der Vergleich mit veröffentlichten Daten zur Rettungswagen-Erreichbarkeit zeigt, dass insbesondere dünn besiedelte Regionen hiervon betroffen sind.

Zu den Regionen mit dem größten Handlungsbedarf zählen nach der Analyse unter anderem:

  • Prignitz
  • Uckermark
  • Mecklenburgische Seenplatte

Hier treffen lange Rettungszeiten und eine vergleichsweise geringe Verfügbarkeit von Defibrillatoren aufeinander – eine Kombination, die im Notfall lebensentscheidend sein kann.

Das Defikataster als Grundlage für mehr Herzsicherheit

Das Defikataster von Definetz e.V. ist eines der größten Verzeichnisse öffentlich zugänglicher Defibrillatoren in Deutschland. Es wird seit vielen Jahren kontinuierlich gepflegt und bildet eine wichtige Grundlage für Forschung, Planung und Aufklärung.

Die aktuelle Analyse zeigt eindrucksvoll, welchen Beitrag offene und aktuelle Standortdaten zur Verbesserung der Notfallversorgung leisten können. Gleichzeitig macht sie deutlich, dass Herzsicherheit nicht überall in Deutschland selbstverständlich ist.

Defibrillatoren gezielt dort einsetzen, wo sie am dringendsten gebraucht werden

Die Ergebnisse sprechen für eine stärker datenbasierte Planung der Defibrillator-Standorte. Künftige Investitionen sollten nicht allein an der Einwohnerzahl ausgerichtet werden, sondern auch die Erreichbarkeit des Rettungsdienstes und regionale Versorgungsunterschiede berücksichtigen.

Denn dort, wo professionelle Hilfe länger braucht, kann ein schnell verfügbarer Defibrillator den entscheidenden Unterschied machen – zwischen Leben und Tod.

Definetz e.V. wird die Analyse weiter vertiefen und künftig auch die tatsächliche Zugänglichkeit sowie weitere Qualitätsmerkmale der erfassten Standorte in die Bewertung einbeziehen. Ziel bleibt eine flächendeckende und transparente Verbesserung der Herzsicherheit in Deutschland.