Hamm/Drechen. Der Gastredner bei der diesjährigen Jahreshauptversammlung des Vereins Definetz eV in Hamm, der Kölner Prof. Bernd W. Böttiger, lieferte einige Anregungen zum Nachdenken.

Sie helfen Leben zu retten, doch nicht immer sind im Notfall auch Defibrillatoren in der Nähe. Damit an noch mehr öffentlichen Stellen, Firmen, Einrichtungen, Vereinen und Co. Defibrillatoren zu Verfügung stehen, setzt sich der in Hamm ansässige und deutschlandweit tätige Verein Definetz für die Verbreitung ein. Dass aber auch die Aufklärung ein wichtiger Punkt in der Arbeit des gemeinnützigen Vereins ist, wurde jetzt bei der Jahreshauptversammlung in der Geschäftsstelle in Drechen deutlich.

Denn noch immer gibt es Menschen, die Angst vor der Benutzung eines Defibrillatoren im Falle eines plötzlichen Herzstillstands haben. „Man kann nichts falsch machen mit einem Defibrillator“, sagt der Definetz-Vorsitzende Friedrich Nölle ganz deutlich. Das Einzige, was man falsch machen könne, sei gar nichts zu tun. „Das Gerät spricht mit einem“, erklärt er zur Benutzung eines Defibrillators, der jeden Schritt kontrolliert und damit Sicherheit sowohl für den Patienten, als auch für den Helfer bietet. Das Gerät gebe auch nur dann Stromstöße ab, wenn es eine tatsächliche Notwendigkeit beim Patienten erkennt und zudem der Helfer den Patienten gerade nicht berührt.

Damit allerdings erst gar keine Angst im Umgang mit den lebensrettenden Geräten entstehen kann, sollen sich möglichst schon Kinder regelmäßig mit diesem Thema beschäftigen. Das betonte Prof. Dr. Bernd Böttiger, der bei der Jahreshauptversammlung vor rund 25 Anwesenden einen Vortrag hielt. Böttiger erklärte, dass er zusammen mit dem Deutschen Rat für Wiederbelebung eine Initiative unter dem Motto „Kids save life“ startete, damit sich Kinder in der Schule an zwei Stunden im Jahr mit dem Thema Wiederbelebungsmaßnahmen und Einsatz von Defibrillatoren befassen. Weil auch der Verein Definetz diese Initiative unterstützt, wolle man diese auch in Hamm bekannter machen, erklärte unterdessen der Vorsitzende Friedrich Nölle.

Ein anderes, wichtiges Thema, dass der Professor in seinem Vortrag ansprach, bezog sich auf die Bedeutung von Defibrillatoren. „Die manuelle Wiederbelebung ist Pflicht, der Defibrillator die Kür“, sagte er ganz deutlich. Und auch Friedrich Nölle hob hervor, dass die Reihenfolge immens wichtig sei: „Erst 112 anrufen, dann pumpen“, meinte er im Hinblick auf die Herzdruckmassage. Nur, wenn dann noch jemand anderes vor Ort ist, solle derjenige den Defibrillator holen und ihn einsetzen. Denn: „Mit jeder Sekunde, in der der Kreislauf nicht aufrecht erhalten wird, sinkt die Chance einer Rettung." Heißt: Man soll im Notfall bei einer Person mit Herzstillstand immer zuerst die manuellen Wiederbelebungsmaßnahmen durchführen, und erst dann ein Defibrillator holen, wenn weitere Personmen zugegen sind und die Reanimationsmaßnahmen nicht untzerbrochen werden müssen – sofern er nicht unmittelbar vor Ort ist. Prof. Dr. Bernd Böttiger machte in diesem Zusammenhang allerdings auch auf eine erschreckende Zahl aufmerksam, denn in Deutschland sei die Helferrate mit gut 20 Prozent sehr schlecht. Für den Verein Definetz ist deshalb die Aufklärung umso wichtiger, damit kein Ersthelfer Angst haben muss, etwas falsch zu machen.

Bei der Versammlung gab es übrigens auch einiges Neues aus dem Verein. Neben einer neuen Homepage wurden auch neue Strategien – unter anderem im Bereich Fundraising, weil der Verein spendenfinanziert ist – besprochen. Mit Werner Linnemann wurde zudem der Schriftführer im Amt bestätigt. 

Rabea Wortmann - Westfälischer Anzeiger

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